Katze oder Kätzchen?

 

Nun, aus der Sicht einer Tierschützerin ist die Frage sowieso schon entschieden: Erwachsene Katzen haben es sehr viel schwerer, ein gutes Zuhause zu finden, daher wäre meine persönliche Entscheidung klar.

Fast alle Katzenliebhaber würden sich aber für das süße Wollknäuel entscheiden. Klar, sie sind ja wirklich bezaubernd, diese tollpatschigen, frechen Kätzchen.

Trotzdem spricht auch einiges aus der Sicht des Katzenfreundes für die Aufnahme einer erwachsenen Katze:



1. Gesundheit:
Die Chancen, eine erwachsene Katze bis ins hohe Alter als Gefährten zu behalten, ist sehr viel höher. Die schlummernden Viren (FIP, FIV und Leukose) gefährden vor allem die Katzen im ersten Lebensjahr. Abgesehen davon werden die Katzenjungen oft viel zu früh (mit 6 - 8 Wochen oder früher) von der Mutter getrennt. Bis diese kleinen Würmchen geimpft werden können, sind sie hilflos der Katzenseuche ausgeliefert, falls sie mit diesem Virus Bekannschaft machen.

2. Unfälle:
Auch die Gefahr, dass eine Katze unter die Räder kommt, vom Balkon oder aus dem Fenster stürzt oder sonstigen Unfällen zum Opfer fällt, ist im ersten Lebens-jahr am größten. Es ist nicht viel anders als bei den Menschen: diese jungen Draufgänger kennen keine Gefahr. Die Welt wird ohne Rücksicht auf Verluste erobert. Besonders gefährlich ist die Pubertät (ca. 1/2 bis 1 Jahr). Wer also seiner Katze trotz Straßennähe Auslauf geben möchte, sucht sich am besten eine ruhige, vorsichtige, erwachsene Katze. 

3. Charakter:
Wie oft habe ich gehört: ich will ein kleines Kätzchen, weil ich das noch erziehen kann. Ein solcher Satz macht mich immer hellhörig. Wozu soll die Katze erzogen werden? Natürlich kann man einer Katze mit Geduld und Konsequenz klarmachen, dass sie am Eßtisch nicht so gern gesehen ist. Aber das lernt jede Katze, unabhängig vom Alter. Will man eine Katze, neben der auch die Möbel, Vorhänge und Blumentöpfe eine Überlebenschance haben, dann sucht man sich am besten eine erwachsene, eher ruhige Katze aus. Die Energie, durch die alles fliegt, haben vor allem pubertierende Kätzchen. Und die kann man nicht durch "erziehen" einbremsen, ohne sie scheu oder depressiv zu machen. Die Vorhänge und Blumentöpfe schützt ein echter Katzenfreund durch kluge Auswahl des Standorts bzw. indem er den Energiebündeln andere attraktive Rennstrecken anbietet. Im Alter von ca. 1 Jahr bzw. nach der Sterilisation werden die Katzen von Natur aus ruhiger und vorsichtiger. Dafür ist keine Erziehung notwendig.



Den Charakter einer Katze erkennt man erst ab einem bestimmten Alter. Bei der Wahl einer erwachsenen Katze kann man in Ruhe nachspüren, zu welcher man sich am meisten hingezogen fühlt. Auch die Katzen wählen sich ihre Menschen aus. Wenn man sich für diese Wahl Zeit läßt, dann kann man mit einer lebenslangen guten Beziehung rechnen. Einfluß auf die Entwicklung des Charakters haben die Menschen nur sehr eingeschränkt. Sie können aber aus Unwissenheit grobe Fehler machen, und dann entwickeln die süßen Kätzchen genau den Charakter, den man sich nicht gewünscht habt.

Vielleicht sollten Sie noch eines überlegen: Das süße Wollknäuel, das für die Menschen so anziehend ist, ist in 2 Monaten ein pubertierender Wildfang. Und nach
weiteren 6 anstrengenden Monaten eine erwachsene Katze, mit der Sie 15 - 18 Jahre leben werden, vorausgesetzt, das Kätzchen überlebt das gefährliche 1. Lebensjahr.